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Written by 12:00 Alltag digital

Steuerbescheid: Bearbeitungsdauer, Steuer-RĂĽckzahlung & -Nachzahlung

Wie lange musstest du auf deinen Steuerbescheid im Jahr 2018 warten? Je nachdem, wie deine Antwort lautet, können Rückschlüsse auf deinen Wohnort und auf die benutzte Einreichungsform gezogen werden. Na ja, bis zu einem gewissen Maße. Schließlich liegen uns ja nur Mittelwerte vor und du musst dich nicht im entsprechenden Mittelwert bewegen. Aber es sind durchaus Wahrscheinlichkeitsberechnungen möglich, und zwar abhängig davon, in welchem Bundesland du dich aufhältst. Wir liefern ein paar Fakten.

Steuerbescheid & Bearbeitungsdauer deiner Steuererklärung

Bearbeitungszeit der Steuererklärung schwankt je nach Bundesland

Im Jahr 2018 benötigten Finanzämter in Deutschland im Durchschnitt 56,1 Tage, um eine Steuererklärung zu bearbeiten und den dazugehörigen Steuerbescheid auszustellen. Allerdings schwanken die Bearbeitungszeiten zwischen den Bundesländern stark; auch innerhalb eines Bundeslandes gibt es groĂźe Unterschiede.

So warteten laut einer statista-Umfrage Steuerpflichtige aus Niedersachsen und Hessen besonders lang auf ihren Steuerbescheid:

  • In Niedersachsen dauerte die Bearbeitung einer Steuererklärung im Durchschnitt 65,7 Tage
  • In Hessen wurde der Steuerbescheid erst nach 63,9 Tagen ausgestellt.

Am schnellsten lagen die Steuerbescheide im Saarland und in Berlin vor:

  • Die Steuerbescheide wurden im Saarland bereits nach 48,7 Tagen ausgestellt
  • In Berlin dauerte die Ausstellung des Steuerbescheids nur 48,9 Tage.

Andere Bundesländer erzielten im Jahr 2018 Mittelwerte, die in etwa dem bundesweiten Durchschnitt entsprachen:

  • Brandenburg: 56,7 Tage
  • Baden-WĂĽrttemberg: 56,6 Tage
  • Sachsen: 56,3 Tage

Bearbeitungsdauer schwankt auch innerhalb eines und desselben Bundeslandes

Auch innerhalb eines Bundeslandes arbeiten die jeweiligen Finanzämter in sehr unterschiedlichem Tempo. So ist der 2018 auf Landesebene im Saarland erreichte Rekord von 48,7 Tagen von einzelnen Finanzämtern noch getoppt worden:

  • Das Finanzamt Homburg – Ast. St. Ingbert im Saarland nahm nur 35 Tage fĂĽr die Ausstellung des Steuerbescheids in Anspruch
  • Das Finanzamt Tempelhof in Berlin erreichte 2018 einen Rekordwert von 37,3 Tagen.
  • Das bundesweit schnellste Finanzamt lag 2018 nicht im schnellsten Bundesland:
    • Das in NRW liegende Finanzamt Wuppertal-Barmen (nur 34,4 Tage) hat den bundesweiten Rekord 2018 geschlagen.
  • In den langsamsten Bundesländern gibt es Finanzämter, die weit unter dem bundesweiten Durchschnitt liegen.
    • Das Finanzamt Papenburg war mit 44,9 Tagen alles andere als langsam.

Inzwischen liegen auch die Statistiken in Sachen Bearbeitungsdauer fĂĽr das Jahr 2019 vor. Hier die wichtigsten Fakten fĂĽr das Jahr 2019 (Quelle: statista):

  • Bundesweiter Durchschnitt: 54,7 Tage – somit mĂĽssen Steuerpflichtige 1,4 Tage weniger lang (als im Vorjahr) auf den Steuerbescheid warten.
  • NRW ĂĽberholt den Rekordmeister 2018 und landet mit einem Durchschnitt von 47 Tagen auf Platz 1
  • Das Saarland fällt auf Platz 2 (48,8 Tage) zurĂĽck; Hamburg landet auf Platz 3 (49,6 Tage)
  • Am längsten dauerte die Ausstellung des Steuerbescheids in Hessen und ThĂĽringen (jeweils 61,5 Tage)

Dabei wurden 2019 die „lokalen“ Rekorde aus dem Jahr 2018 getoppt. Hier die TOP 3 der schnellsten Finanzämter im Jahr 2019:

  • Herne (NRW): 26,6 Tage
  • Dinslaken (NRW): 29,7 Tage
  • QuakenbrĂĽck (Niedersachsen): 32,8 Tage

Zusammenhang zwischen Bearbeitungsdauer und Anzahl der elektronisch eingereichten Steuererklärungen?

Da Finanzämter bei elektronisch eingereichten Steuererklärungen eine kürzere Bearbeitungsdauer versprechen, hängt die Bearbeitungszeit sicherlich auch von der Einreichungsform ab. Hierzu liegen uns keine Statistiken vor; allerdings spricht die für das Land NRW verzeichnete relativ schnelle Bearbeitungszeit von 51,5 Tagen dafür. Denn laut Finanzverwaltung NRW ist die elektronische Abgabe von Steuererklärungen in NRW besonders beliebt: So reichten im Jahr 2018 schon 70 % Steuerpflichtige ihre Steuererklärung in elektronischer Form ein.

Steuerbescheid:
Bearbeitungsstand im Jahr 2020

Und wie sieht es aktuell aus? Du hast zwar noch bis zum 31.07.2020 (Abgabefrist), um deine Steuererklärung 2019 abzugeben. Aber vielleicht hast du die aktuelle Corona-Zeit und das Kontaktverbot positiv umgesetzt und schon längst deine Steuererklärung abgegeben. Doch wie lange musst du auf deinen Steuerbescheid warten? Wie schon gesehen, spielt das Bundesland und das lokale Finanzamt eine Rolle. Aber auch allgemein gelten ein paar Punkte, die einen erheblichen Einfluss auf die Bearbeitungsdauer und den Ausstellungszeitpunkt deines Steuerbescheids ausüben. Wir haben die wichtigsten Punkte für dich zusammengefasst:

  • Eingangsdatum
    • Je frĂĽher du deine Steuererklärung abgibst, desto eher erhältst du dein Steuerbescheid
  • Bearbeitungsanfang hängt von anderen gesetzlichen Fristen ab und ist bundesweit gleich (15.03.2020):
    • Bis Ende Februar mĂĽssen die Finanzämter auf die Ăśbermittlung notwendiger Unterlagen (elektronische Lohnbescheinigungen, Versicherungsbescheinigungen usw.) warten
    • Erst ab dem 15.03.2020 stehen den Finanzämtern die notwendigen Programme fĂĽr die Bearbeitung deiner Steuererklärung zur VerfĂĽgung
  • Komplexität deines Steuerfalls
    • RĂĽckfragen, Belege-Forderungen (siehe Belege-Vorhaltepflicht) verlängern die Bearbeitungsdauer
  • Anzahl der im gleichen Zeitraum ĂĽbermittelten Steuererklärungen
  • Interne Faktoren (vorhandene Ressourcen der jeweiligen Finanzämter und Ă„hnliches)
  • Anzahl der elektronisch ĂĽbermittelten Steuererklärungen

Elektronische Abgabe von Einkommensteuererklärungen in Deutschland

FĂĽr manche ist die elektronische Abgabe Pflicht

Nicht jeder Steuerpflichtige kann entscheiden, in welcher Form er seine Einkommensteuererklärung an das Finanzamt übermittelt. Seit 2011 müssen Steuerpflichtige mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit ihre Steuererklärung elektronisch abgeben. Es sei denn diese Einkünfte sind nur nebensächlich, liegen unter 410 € und sind neben einer nichtselbstständigen Arbeit erzielt worden. Um niemanden zu benachteiligen, wird von dieser Regel abgewichen, wenn die elektronische Abgabe als unzumutbar angesehen wird.

Unser Tipp: Wenn du mehr dazu erfahren willst, findest du weitere Details in den Anleitungen des Bundesfinanzministeriums.

Alle anderen Privatpersonen müssen ihre Einkommensteuererklärung nicht elektronisch abgeben. Allerdings verkürzt sich bei „traditioneller“ Abgabe die geltende Abgabe-Frist.

Wie viele Steuerpflichtige bevorzugen die elektronische Abgabe?

Eine im Jahr 2019 in Deutschland durchgeführte Erhebung bei 18+-Jährigen hat ergeben, dass 42 % der Befragten die Abwicklung der elektronischen Steuererklärung über das Internet getätigt hatten. Allgemein lässt sich ein ganz klarer Trend beobachten: Die elektronische Abgabe der Einkommensteuererklärungen ist in Deutschland über die Jahre immer beliebter geworden.

Zwischen 2000 und 2019 ist die Anzahl elektronisch übermittelter Einkommensteuererklärungen in Deutschland kontinuierlich angestiegen, wobei für 2020 uns nur Zahlen für den Monat Januar vorliegen (Quelle: statista):

  • Im Jahr 2000 wurden nur 140.000 Steuererklärungen elektronisch eingereicht
  • Im Jahr 2009 waren es bereits 8,3 Millionen.
  • 23,1 Millionen Steuerpflichtige hatten im Jahr 2018 den elektronischen Weg gewählt.
  • 23,8 Millionen Steuerpflichtige haben im Jahr 2019 ihre Steuererklärung elektronisch an das Finanzamt ĂĽbermittelt.
  • Am 31.01.2020 hatten bereits 1,5 Millionen Steuerpflichtige den elektronischen Weg eingeschlagen.

ElsterFormular, Mein Elster & Co.

Der Anstieg der Zahl der elektronisch übermittelten Steuererklärungen hängt sicherlich auch mit der Einführung des Steuerprogramms „ElsterFormular“ im Jahr 2001 zusammen. Die 2005 eingeführte Pflicht der elektronischen Übermittlung für Arbeitgeber und Unternehmen dürfte den Anstieg nochmals verstärkt haben. Mit „Mein Elster“ im Jahr 2005 und dessen Fortentwicklung im Jahr 2017 („Elster: Ihr Online-Finanzamt“) haben die Finanzämter die elektronische Abgabe vereinfacht und attraktiver gemacht. Das spiegeln die vorliegenden Zahlen eindeutig wider: So haben sich die Zahlen zwischen 2000 und 2002 fast vervierfacht (140.000 > 550.000). Und zwischen 2004 und 2006 haben sich diese nochmals mehr als verdoppelt (1.810.000 > 4.610.000). (Quelle: statista)

Die Finanzämter haben in den letzten Jahren allmählich komplett auf „MeinElster“ umgestellt. So soll als Nächstes das ElsterFormular gänzlich durch MeinElster ersetzt werden. Das bedeutet, dass Steuerpflichtige das ElsterFormular-Angebot zukünftig nicht mehr nutzen können: Es ist nämlich letztmalig für die anstehende Steuererklärung 2019 verwendbar.

Die Nutzung von Elster wird auch deswegen immer attraktiver, weil die Elster-Software in den meisten Steuer-Programmen integriert ist. Folglich können die Steuerpflichtigen auf die zusätzlichen Tools und Hilfemöglichkeiten der Steuer-Software-Produkte zurückgreifen und anschließend die Variante „Übermittlung über Elster“ wählen. Die Steuer-Software kümmert sich dann um alles Weitere.

Steuerbescheid: Wie viel bekommen Steuer-Zahler im Durchschnitt zurĂĽck?

Dass viele sich vor der Steuererklärung scheuen, hängt nicht nur mit dem gefürchteten aufwendigen (elektronischen) Papierkram zusammen. Die größte Sorge dürfte sein, am Ende eine Nachzahlung leisten zu müssen. Doch laut Statistiken sind die Sorgen meistens unbegründet.

Nur 11 % der Steuerpflichtigen mĂĽssen nachzahlen

Laut dem Statistischen Bundesamt mussten 2015 nur 11,1 % der Steuerpflichtigen eine Nachzahlung leisten. Diese Nachzahlung lag im Durchschnitt bei 1.161 â‚¬. Allerdings kann dieser Mittelwert auch hier relativiert werden. Schaut man sich die tatsächlichen Nachzahlungen an, sieht man, dass von diesen 11,1 % Nachzahlungen 3 % ĂĽber 5000 â‚¬ lagen. 23 % der Nachzahlungen umfassten Beträge, die unter 100 â‚¬ lagen. Und 56 % der Nachzahlungsbeträge bewegten sich zwischen 100 â‚¬ und 1000 â‚¬.

87,4 % der Steuerpflichtigen erhalten Geld zurĂĽck

Die Wahrscheinlichkeit, dass du mit deiner Steuererklärung Geld zurĂĽckbekommst, ist deutlich höher, als du vielleicht denkst: 2015 erhielten 87,4 % der Steuerpflichtigen, die eine Steuererklärung eingereicht hatten, Geld zurĂĽck. Dabei wurden im Durchschnitt 1007 â‚¬ zurĂĽckerstattet. Unter diesen 87,4 % betrugen die meisten Erstattungen (58 %) zwischen 100 â‚¬ und 1000 â‚¬. Nur 9 % erhielten weniger als 100 â‚¬ zurĂĽck. Und 2 % bekamen sogar mehr als 5000 â‚¬ zurĂĽck. Somit kann man davon ausgehen, dass rund 30 % Beträge zurĂĽckerhielten, die zwischen 1000 â‚¬ und 5000 â‚¬ lagen.

Mit dem Steuerbescheid nicht einverstanden? Was du tun kannst

Lohnt es sich überhaupt einen Einspruch gegen einen ausgestellten Steuerbescheid einzulegen? Laut vorliegenden Statistiken ist die Frage ganz eindeutig zu bejahen! Eine statista-Erhebung hat ergeben: Im Jahr 2015 wurden 3,5 Millionen Einsprüche gegen Steuerbescheide registriert. Und 64,5 % davon wurde stattgegeben; das ist nicht wenig. Schaut man sich die Entwicklung aus den letzten Jahren an, fällt auf, dass die Anzahl der eingelegten Einsprüche gegen Steuerbescheide in Deutschland zwischen 2004 und 2017 tendenziell leicht gesunken ist, wobei auch Höhen und Tiefen zu verzeichnen waren. So wurden 3,54 Millionen Einsprüche im Jahr 2004 eingereicht; 2006 stieg die Zahl auf 5,89 Millionen; 2017 waren es „nur“ 3,25 Millionen (Quelle: statista).

Fristen einhalten und Belege aufbewahren

Nach Eingang des Steuerbescheids hast du maximal einen Monat Zeit, um Einspruch einzulegen. Auch wenn es seit dem Veranlagungszeitraum 2017 keine Vorlage-Pflicht für Belege mehr gibt, gilt weiterhin die sogenannte Belege-Vorhaltepflicht. Mit anderen Worten: Das Finanzamt verzichtet zwar auf die meisten Belege; das bedeutet aber nicht, dass du deine Eingaben auf Rückfrage nicht belegen können solltest. Daher solltest du – gerade wenn du mit dem Steuerbescheid nicht einverstanden bist – deine Belege bis zur endgültigen Entscheidung aufbewahren. Allgemein musst du deine Belege so lange aufbewahren, bis die Einspruchsfrist abgelaufen ist.

Und wie lange hast du letztes Jahr auf deinen Steuerbescheid 2018 gewartet? Oder gehörst du zu den Glücklichen, die den Steuerbescheid 2019 bereits erhalten haben? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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Last modified: 8. September 2020